Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Aktionen und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit und siehe Unterforen.
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Katharina
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Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Katharina » 08.07.2019, 10:30

Ich habe eben einen Artikel in der Siegessäule gelesen, in dem über Drag Queens als Vorleserinnen im Kindergarten ging gelesen. Ich muss ehrlich eingestehen, das ich solche Aktionen immer mit Bauchschmerzen beobachte. Ich sehe das Problem, das gerade Drag und Travestie eher Teil der Spassgesellschaft sind und mit mir so gar nichts zu tun haben, allerdings werde ich von der Gesellschaft genau mit diesen in einen Topf geworfen.
Sprüche wie "Transen müssen ja nicht arbeiten" oder "nimm die Silikontitten raus und such Dir nen Job" kommen ja nicht von Ungefähr.
Ich frage mich ob es sinnstiftend ist in einer Gesellschaft, die jeden zu diskriminieren versucht, gerade mit dem Teil der Queeren Community für Akzeptanz zu werben, der sowieso schon als Teil der Spassgesellschaft gesehen wird.
Wann immer gegen das Recht eines Einzelnen verstoßen wird, sollten Tausende da stehen und dagegen protestieren

Nathalie
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Nathalie » 08.07.2019, 16:18

Hallo Katharina
Travestie und Drag Queens sind auch eine Gruppe. Es ist eben so, dass wir immer mal wieder in einen Topf geworfen werden. Deshalb ist unsere Öffentlichkeitsarbeit sehr darauf ausgelagt, dass Transidentität, Travestie und Drag Queens grundverschiedene Dinge sind.
Ganz wichtig ist dies auch zu betonen, wenn man mit Vorgesetzten beim Outing am Arbeitsplatz spricht. Um so wichtiger ist es auch Bilder in alltagstauglicher Kleidung zu zeigen, damit keine falschen Bilder im Kopf entstehen.
Liebe Grüße
Nathalie
Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum.
Denn unmöglich ist nur das, was Du nicht tust.
Achtung ! Die nächste Messe und Fachtagung findet am 25. April 2020 statt.

Katharina
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Katharina » 08.07.2019, 22:25

Nathalie hat geschrieben:
08.07.2019, 16:18
Hallo Katharina
Travestie und Drag Queens sind auch eine Gruppe. Es ist eben so, dass wir immer mal wieder in einen Topf geworfen werden. Deshalb ist unsere Öffentlichkeitsarbeit sehr darauf ausgelagt, dass Transidentität, Travestie und Drag Queens grundverschiedene Dinge sind.
Ganz wichtig ist dies auch zu betonen, wenn man mit Vorgesetzten beim Outing am Arbeitsplatz spricht. Um so wichtiger ist es auch Bilder in alltagstauglicher Kleidung zu zeigen, damit keine falschen Bilder im Kopf entstehen.
Liebe Grüße
Nathalie
Offensichtlich kommen sie nur nicht an. Den einen Spruch habe ich gedrückt bekommen, als ich auf dem Rückweg von nem Kumpel im Blaumann unterwegs war, den anderen von einer Person, die mitbekommen hat, das ich mir bei der Tafel Unterstützung hole. Wenn ich dazu die letzen 5 Vordtellungsgespräche nehme (4 mal "Schwuchteln wollen wir nicht", einmal "Hier arbeiten keine Frauen, für die ist das zu schwer") dann tut das weh.
Übrigends zu Vorstellungsgesprächen gehe ich in Jeans und T-Shirt oder Pullover (Jahreszeitabhängig)
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Linde
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Linde » 09.07.2019, 03:42

Mir geht es wie Katharina. Ich habe absolut nichts gemeinsam mit Drag Queens oder aehnlichen Menschen. Die groesste Gemeinsamkeit, die ich mit ihnen habe, ist die tatsache dass ich Beine und Arme und einen Kopf habe.
Ich meine Drag Queens machen uns nur laecherlich in ihrer uebertriebenen Aufmachung!

Genauso wenig habe ich etwas mit den LGBTQ Pride Paraden zu tun, da koennte ich genauso gut im Zirkus auftreten!

Katharina
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Katharina » 09.07.2019, 09:55

Ich sehe halt das Problem das Drag und Travestie Menschen sind, die mal im Mittelpunkt stehen wollen, aber keinen Alltag leben müssen. Wenn jetzt Aktionen gemacht werden "die normale Drag Queen von nebenan" dann wird etwas künstliches gezeigt und es ist eben nicht der Normalfall. Eine Drag Queen schminkt sich ab und ist dann wieder ein Mann, der seinen normalen Alltag lebt. Die wenigsten transidenten Menschen haben den Wunsch aufzufallen, den meisten ist es ja gerade wichtig unauffällig zu bleiben. Ein Besuch auf einer öffentlichen Toilette, bei dem niemand auf die Idee kommt, das ich falsch abgebogen sei, ist für mich ein positives Erlebnis. Doch sobald man erkennt, das ich Transgender bin, haben die Leute offensichtlich die Drag Queen im Kopf.
Anders sehe ich das bei Pride oder auch CSD-Veranstaltungen. Diese halte ich für wichtig, weil da Präsens gezeigt wird. Aus meiner Sicht ist es heute wichtiger als jemals zuvor den Menschen zu zeigen, das wir da sind, auch wenn sie uns nicht haben wollen. In gewisser Weise bin ich da Idealistin und habe die Hoffnung, dadurch gesellschaftlich und politisch etwas bewegen zu können. Ich weigere mich das als Party abzutun. Nur wer laut genug schreit wird auch gehört. Statistiken zeigen das homo- und transphobe Straftaten auf dem Vormarsch sind, wenn man dem nichts entgegen setzt, lässt man sich einsperren.
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Xenia » 11.07.2019, 17:33

Hallo,

natürlich haben Dragqueens nichts mit uns zu tun. Sie zeigen ein überspitztes Frauenbild und zielen nicht auf uns ab! Wir müssen halt weiter am Ball bleiben, denn stetes treten bricht das Knie. Viele in der Gesellschaft kennen sehr wohl den Unterschied zu uns. Aber es gibt noch viel zu tun!

Da wir einen ganz anderen (Leidens-)weg gehen, zeigt sich der Gendertreff nicht auf CSDs, sondern auf anderen Veranstaltungen.


LG
Xenia
Leben und leben lassen! (Live and let live!)
>Gendertreff Messe & Fachtagung<

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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von NerkasZwo » 11.07.2019, 17:42

Wenn ich den originalen Beitrag hier lese verstehe ich die Diskussion gar nicht.
Dort steht nicht, dass Drag = trans* ist. Dafür, dass man das oft in einen Topf wirft, können doch auch die Drag Queens nicht.
Ich finde es also nicht falsch, wenn sie für ihren Teil der Queerheit werben oder für mehr Offenheit sorgen. Ich mein, wer Drag als Hobbie hat wird nicht unbedingt der Transphobeste sein, da man sich ebenso am Rand der Gesellschaft bewegt.
Von daher find ich die Aktion gut.
Es ist halt keine Öffentlichkeitsarbeit für trans*, da muss unsereins also wohl weiter seine eigene Suppe machen und Aufklären.
Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.


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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Katharina » 11.07.2019, 22:49

Das sollte auch gar kein Drag Queen Bashing werden. Das Problem ist, das zu einseitig Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird. Momentan bastelt man an Germanys next Drag Model zur Prime Time aber Infos über unsereines gibt es nur auf Spartensendern zu Zeiten wo ich mir den Wecker stellen müsste. Dieser Mist hat Quote, weil man sich davon Bespassung verspricht und kommt ins Abendprogramm, aber niemand erzählt die andere Seite. Ich muss unter der Volksbildung leiden. Genau deshalb bin ich gegen derartige Publicityevents. In Dortmund wurde eine Transfrau zusammengeschlagen, weil sie da war - das kommt nur in einer Kurznachricht der Lokalzeitung. Es interessiert nicht. Ich melde transphobe Beleidigungen schon lange nicht mehr bei der Polizei, da selbst die es nicht interessiert. Wie meinte ein Polizist mal zu mir: Man muss sich halt überlegen wo man hergeht, wenn man so herumläuft.
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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von Martina » 12.07.2019, 15:10

Linde hat geschrieben:
09.07.2019, 03:42

Genauso wenig habe ich etwas mit den LGBTQ Pride Paraden zu tun, da koennte ich genauso gut im Zirkus auftreten!
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"Lebe Dein Leben"
...ihr habt nur das eine Leben...geniesst es !

i was looking for a place to be...i found it inside myself

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Re: Öffentlichkeitsarbeit von Drag Queens

Beitrag von NerkasZwo » 12.07.2019, 15:26

Ich möchte gern mal diese Seite verlinken, da es grad angesprochen wurde:

https://100mensch.de/kampagnen/zeig-sie ... odVwfjXtCo

Eine Kampagne unter anderem der VelsPol und sehr informativ (was kann man anzeigen, wo kann man sich beschweren wenn es nicht ernst genommen wird wie in Katharinas Fall und ähnliches). Ich finde, das ist durchaus lesenswert.
Es ändert vielleicht nicht, dass solche Vorfälle nur eine Randnotiz in der Zeitung sind - aber es hilft die Dunkelziffern zu verringern und somit mehr Licht auf die Sache zu bringen.
Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.


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